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Thematische Residenz: Kultur der Permanenz



Eine thematische Residenz rund um die Fragen nach Gemeinschaftsbeteiligung und Wissensaufbau im Arc in Romainmôtier, Schweiz. 

Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts befindet sich das neoliberale Modell in der Krise: Wir leben in einer Gesellschaft, in der 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Wissensarbeiter in einem System sind, das spekulativ ist und den Wert der sozialen Zusammenarbeit unpassend honoriert. Deshalb stellen wir uns ein neues, ideales System vor: Wir müssen neue Werte schaffen und neue Wege der Zusammenarbeit entwickeln. Bis jetzt haben sich Philosophen eine andersgeartete Welt nur mit unterschiedlichen Arten von Theorien vorgestellt. Wie können wir die Welt aber tatsächlich verändern? 

Eine Möglichkeit ist die der gleichberechtigten Peer-to-Peer-Beziehungsdynamik, einer Form der Gemeinschaftsbeteiligung: Alle können auf der gleichen Ebene zu einem Gruppenprojekt beitragen und ohne direkte individuelle Gegenseitigkeit von den Ergebnissen der kollektiven Arbeit profitieren. Peer-to-Peer bedeutet, dass eine praxisorientierte Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel ein System aufbaut. Das System entsteht durch die Beiträge aus verschiedenen Perspektiven und durch die gegenseitige Konfrontation von unterschiedlichen Disziplinen. Transdisziplinarität geht vom Ziel aus und nicht von einer einzelnen Disziplin. Die Frage lautet daher: Wer hat die geeignetste Methode oder Technik, um das Ziel bestmöglich zu erfassen? 

Das Arc möchte untersuchen, wie künstlerische Strategien dazu verwendet werden können, ein breites Spektrum an Fragen in Zusammenhang mit Peer-Produktion und Wissensaufbau zu thematisieren, indem es während einer Woche im April 2016 Praktizierende aus verschiedenen Bereichen zusammenbringt. 

Das gemeinsame Ziel während dieser Woche wird die Schaffung eines Gemüsegartens im Arc sein. Wir orientieren uns in Richtung Permakultur – oder «Kultur der Permanenz» – und wollen die Verbindung zwischen den historischen, sozialen und biologischen Formen (Klostergarten, Bauerngarten, Ökosystem) und einem neuen Projekt betrachten. Kann die Schaffung eines Gemüsegartens zu neuen Erkenntnissen in Bezug auf eine objektorientierte Sozialität beitragen, indem gemeinsam nach den Prinzipien des Anti-Credentialismus (um eine bestimmte Arbeit gut auszuführen, braucht es keine Referenzen oder Titel) und des Äquipotenzials (alle haben das gleiche Potenzial, mit ihrem spezifischen Talent oder Projekt einen Beitrag zu einem gemeinsamen Projekt zu leisten) auf ein Ziel hingearbeitet wird? Welche sozialen Neuerungen bringt dies mit sich? Und wie kann eine Peer-Produktion evolutionär und nachhaltig sein? 

Die Residenz wird Bewerberinnen und Bewerber dieser offenen Ausschreibung und eingeladene Praktizierende aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen. 

Die Teilnehmenden werden dazu eingeladen, ihre eigene Forschung und ihre eigenen Projekte einzubringen und mit diesen dazu beizutragen, die Peer-Produktion zu untersuchen und zu hinterfragen. 

Diese thematische Residenz wird organisiert von Sally De Kunst (Arc) in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Anthropologen Julien Vuilleumier

TeilnehmerInnen: Sally De Kunst (Organisatorin/ Leiterin Arc – Belgien/Schweiz), Felipe Duarte (Künstler/Sozialunternehmer – Brasilien), Aurelio Kopainig (Künstler – Schweiz), Aditya Pawar (Sozialdesignerin – Indien/Schweden), Tanja Schwarz (Künstlerin – Schweiz), Gosie Vervloessem (Organisatorin/ Künstlerin – Belgien), Daniel Varadi (Spezialist Permakultur/ Schweiz), Julien Vuilleumier (Organisator/ Anthropologe – Schweiz).