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Vernissage von Filip Berte am Espacee dAM, Romainmôtier



Filip Berte

Gutta Cavat Lapidem
Vernissage am 2. Juli 2017, 14H-18H

Ausstellung 2.7–17.9.2017, Samstag/Sonntag 14–18 Uhr geöffnet oder nach Vereinbarung
Place du Bourg 5, 1323 Romainmôtier
079 478 77 90, contact@espacedam.ch 
www.espacedam.ch 

Filip Berte zeigt in der Galerie Espace dAM (Romainmôtier) eine Installation mit dem Titel Gutta Cavat Lapidem (ein Zitat von Ovide, das so viel heisst wie «steter Tropfen höhlt den Stein»). Die Installation ist Teil seines aktuellen Grossprojekts Un-Home / Moving Stones, das sich dem Thema Migration widmet. Dieses Projekt hat Filip Berte während zwei Residenzen im Arc seit 2015 entwickelt.

Die Idee für sein Werk hatte er, als er in Vallorbe unweit Romainmôtier das Empfangs- und Verfahrenszentrum des Staatssekretariats für Migration entdeckte: ein ehemaligen Hotel, das zwischenzeitlich auch als Militärkaserne genutzt wurde. Zudem liess er sich von den berühmten Kalksteingrotten von Vallorbe inspirieren, die sowohl eine Touristenattraktion als auch eine geologisch interessante Forschungsstätte darstellen. Mittels einer Camera Obscura, die er in einem mobilen Modell des Aufnahmezentrums und hinter Kalksteinimitaten aus Gips verborgen hielt, machte der Künstler diskrete Aufnahmen. Er gewährt damit nicht nur einen Einblick in die Welt im Flüchtlingszentrum, sondern auch in andere «Grenzgebiete» in Europa, in andere «Eintrittsräume» im eigentlichen und metaphorischen Sinn. Der Künstler benutzt die Grotte als Metapher für die «Randstellung» der Flüchtlinge im heutigen Europa. Er betrachtet die Asylzentren als «Löcher und Klüfte» in der Gesellschaft.

Der Ausstellungsraum erinnert metaphorisch an eine Grotte oder eine Camera Obscura und soll als Ort der Mediation und Reflexion zum Thema Migration dienen. Die undurchsichtigen Vitrinen der Ausstellung sind mit Gucklöchern ausgestattet, die dazu einladen, von aussen einen Blick ins Innere zu werfen. Durch die Projektion auf eine durchscheinende Leinwand können die vom Künstler mit der Camera Obscura aufgenommenen Negativbilder betrachtet werden. Über ein Audiosystem ist die Stimme des Künstlers zu hören, der sich in einer Art philosophischer Mediation mit den Erfahrungen zum Thema Migration auseinandersetzt – sowohl mit seinen eigenen als reisender Künstler als auch mit jenen der Flüchtigen, Flüchtlinge und Asylsuchenden. Die Installation verbindet unterschiedliche Sinnesebenen mit verschiedenen Themen, darunter Exil, Tourismus, Geschichte, Philosophie, Geologie, Architektur und Fotografie.

Mit seinem Projekt nimmt Filip Berte Stellung in einem Europa, das sich polarisiert sieht zwischen einer gastfreundlichen Willkommenskultur der Gastfreundschaft und einer Politik der Abschottung, des Ausschlusses und der Abweisung. Indem er die Position eines künstlerischen Mediators einnimmt und Fragen zu Gastfreundschaft, Konflikt, sozialer Integration, sozialem Zerfall, Identitätsverlust und -findung, Überwachung, Abstempelung, Abstand, Gefahr und zum Hineinversetzen in andere aufgreift, bietet er die Möglichkeit zu einem aufgeklärten, poetischen Widerstand.